Monti Dauni, Nördliches Apulien und Bari - besucht im September 2014 - Nach Jahrzehnten war ich wieder einmal auf dem Weg nach Bari. Diesmal per Flugzeug, ab München mit Air Dolomiti. Mit deren kleineren Maschinen, d.h. man sitzt in 2er Reihen und supernettem Service, ist ein Flug über die Alpen jedesmal wieder ein eigenes Highlight für mich. Schnee und hohe Berge mag ich nur in dieser Variante, dafür aber umso mehr. Die Sonne je nach Stand wirft ihre Schatten und Farben, auf Schneefelder und -gipfel oder in grüne Täler oder graue Felsenfelder, spiegelnde Seeflächen und Flusslinien. Die Welt erscheint mir bei diesen Flugwegen immer wieder so wundervoll und ich möchte alle Widrigkeiten vergessen. Einen Restweg fliegt man an der Adriaküste entlang bis Bari erscheint, dort landet man im (kleinen) Hauptstadtflughafen der Süditalienregion Apulien. Sofort spürt man die warme italienische Luft und Atmosphäre. Ich traf mit anderen Kollegen zusammen und unser jeweiliges Programm in kleinen Gruppen von ca. 15 Personen, startete mit unserer italienischen Guide per Busfahrt zum ersten Zielort. Ich hatte das Programm 'we are slow' gewählt und es wurde zu einer meiner Lieblingstouren in Italien, weil es so neu, anders, in der slow (langsam-ruhig) Stimmung verlief und mir zudem eine bisher unbekannte liebreizende Gegend zeigte. Gen Norden von Bari an der Stadt Foggia vorbei wollten wir in die Monti Dauni Provinz, die man mit Niedrige Berge übersetzen kann, und ja es ist eine zauberhafte hügelige Landschaft mit kleineren Städtchen und Dörfern, die ich in den nächsten Tagen erkunden durfte. Es wurde schon Abend als wir unser Hotel erreichten und wenig später waren wir zu Fuß in die historische Altsatdt, das Centro Storico, unterwegs. Das kleine Kopftsteinpflaster, aus dem typischen gelblichem Basalt, in den leicht ansteigenden Gassen und mit einigen Regentropfen  machte uns wacher und gesprächig. Es erwartete uns eine traditionelle Trattoria mit jungen Inhabern und deren, auch im Eigenanbau produzierten Spezialitäten. Italienische Tomaten aus Italien im eigenen Land sind einfach köstlich, auch die Salami und selbstgemachte Pasta, es wurde eine köstliche Menüfolge.

Es folgten 3 Tage in der Region des Monti Dauni und seinen noch wenig vom Tourismus unberührten Städtchen, für mich ein Eldorado für Entdeckungen und authentischem Apulien, für die Apulier die Hoffnung auf mehr zukünftige Besucher. Natürlich, jeder Ort hat seine Kirche/n, meist auch ein Museum mit Sammlungen und auch Schätzen der Region und Stadt, den Marktplatz und kleine Läden, insbesondere mit den Obst- und Gemüseprodukten, ja auch den hervorragenden Oliven. Die Metzgereien zeigen teils noch frische unzerteilte Ware und die Bäckereien locken mit frischem Brot und verführerischen Torten. Einen besonderen Abend vergesse ich sicher nie: Wieder in einer kleinen Gasse, wartete der Bäckermeister auf uns, und eine tiefe Stufe hinab standen wir schon in der Backstube vor dem hölzernen Trog mit dem dahinter liegenden, riesigen Backofen. Seine, schon betagte Mitarbeiterin führte uns dann vor mit welchem Kraftaufwand sie vor dem niederen Trog stehend den Brotteig knetete. Es bleibt davon immer ein kleiner Rest für den nächsten (2. Tag), und dann wird das Brot im Strohbefeuerten Ofen gebacken. Dieses mußten wir uns leider vorstellen, da um diese Tageszeit nicht mehr gebacken wurde. Wir konnten noch allerlei Backwerkzeuge, die sicher noch aus anderen Generationen stammten, bewundern und dann ging es die nächste Stufe nach nebenan in die familiäre Osteria, wo wir an einem weiß gedeckten langen schmalen engem Tisch alle Platz fanden. Wir konnten gar nicht alle Leckereien aufessen, sie hatten so viel für uns gekocht, das eigene Brot schmeckte herrlich, leider konnten wir keines mehr kaufen. Später kam zu uns noch ein Gast aus dem Ort und brachte uns selbstproduzierte Kekse. Er erzählte so einige Geschichten, ihm schmeckte auch der Wein, und wir staunten, als er uns über seinen früheren Beruf des Predigers berichtete. 

In dem Ort Bovino hatte ich eine Übernachtung in einem kleinen alten wunderbar restaurierten Privathaus, dessen Zimmer zu mieten sind, Affitacamere nennen es die Italiener. Die dortigen Zimmer sind alle unterschiedlich eingerichtet, modern und klassisch, mit exzellentem Geschmack, ich war begeistert und hatte das wunderbare Zimmer mit dunklem, edlen Holzdesign. In Troia ist die Kathedrale ein Muß, sie ist mit einer wundervollen Apulischen Rose über dem Portal geschmückt, ein Prachtexemplar der historischen Architektur(details). Und noch ein Highlight wartete auf unsere Besichtigung. Eine archäologische Ausgrabungsstelle aus dem 6. Jh. v. C. mit atemberaubenden Bodenmosaiken, eine größere Fläche die man über neu gelegten Metallstegen ansehen kann. Bei der Fahrt von Ort zu Ort begleitet die beruhigende liebliche Landschaft mit den Hügeln, Bergkuppeln von ca. max. 1000 m Höhe, einige kleinere Waldgebiete und immer wieder Olivenhaine und Felder mit sehr fruchtbar ausschauendem braunem Acker. Ockergelbe und leicht rötliche Hausfassaden tauchen ab und zu alles in Harmonie. In den Dörfer sahen wir noch die, teils sehr private, Wäsche vor und neben der Haustür, Blumenkübel und -kannister und Frauen in schwarzen Kleidern und Männer mit Hut und Stock. Insgesamt eine sehr friedliche Atmosphäre und unser Motto 'Slow...' nurzu bestätigend. Zum Ende hin wartete nun noch ein Messetag in Bari mit Treffen und Gesprächen der Apulischen Hotel- und Reiseanbieter auf mich und meine Kollegen. Ein krönender Abschluss kam noch spät abends hinzu, der kurze nächtliche Rundgang durch die historische Altstadt von Bari, dabei wurde mir klar, hier möchte ich nochmal hin und mehr ausführlicher sehen und erkunden. ©VC