Messina und Catania - besucht im März/April 2018 (und 2017diese zwei Städte besuchte ich jeweils zum Zweiten Male, jedoch diesmal mit neuem Entdeckergeist. Bei meiner Anreise mit dem erneuten Ziel Äolische Inseln, erreichte ich vom Flughafen Catania die mir im Detail unbekannte Stadt abends, zur Rushhour und in der Semana Santa, der Karwoche. Die eigentlich kurze Taxistrecke dauerte ewig, aber danach kannte ich mich schon etwas aus im Zentrumsbereich. Mein einfaches Hotel lag zentral und überraschend in der ersten Etage in einem alten Palazzo und wird von zwei sehr sympatischen Sizilianern mit viel Herz geleitet. Meine Energie reichte noch für einen Spaziergang die lange Einkaufsstraße herunter bis zum Duomo und auf dem Rückweg entdeckte ich eine Bar in der es sogar Sizilianisches Kölsch gab. Es war Montag und ich war einziger Gast und konnte dies und das zu Catania erkunden. Am nächsten Tag fuhr ich per Zug, den Ätna am Hauptbahnhof Catania im Blick, weiter nach Messina, am dortigen Bahnhof blieb mir zeitlich nur der Umstieg zum Fährhafen Milazzo, wo ein Freund auf mich wartete. Unser Ziel für meine nächsten 2 Wochen war die Insel Salina, 4 Tage auf Lipari und ein langes Sturmwochenende auf der Insel Stromboli, mit feuerspeiendem Vulkan (siehe dazu Blog Isole Eolie). Von dort nahm ich morgens um 7 Uhr die erste Fähre zurück nach Sizilien und fuhr diesmal per Bus von Milazzo weiter nach Messina. Hier funktioniert diese Variante besser als mit den Anschlüssen per Zug.

In Messina holte mich eine Kollegin, Elena, am Bahnhof ab. Zu meiner großen Freude hatte sie mehr Zeit eingeplant als ich erwartete hatte und wir fuhren sofort per Auto zur Stadtrundfahrt los. Wie gross Messina ist ! einst die zweitgrößte Stadt Italiens, das wußte ich zuvor nicht. Weit dehnt sie sich am Meer und der Küste aus, bis hinauf an die sanften Hügeln im Hinterland vor den Berghängen. Elena zeigte mir Seen mit Fischzucht deren Netze in bunten Markierungen wie eine Wasserskulptur aussahen. Ich überliess ihr die Planung und welche freudige Überraschung, sie fuhr zu meiner Sehnsuchtsstelle: der Meerenge von Messina, dort wo das Tyrrenische und das Ionische Meer zusammen fließen, sich zwei Blautöne vereinen. Wir standen am Wahrzeichen, dem Torre Faro, an einem Kap mit breitem Sandstrand und schauten hinüber nach Calabrien und der langen Festlandküste. Vor Jahrzehnten fuhr ich mit der Autozugfähre, die noch immer existiert, von Apulien aus zu einer Sizilienrundfahrt, damals ohne Zeit für Messina, seitdem wünschte ich diese Geschichts- und Mythologieträchtige Stadt näher zu sehen. Endlich! Im Fischerort fanden wir dann die Bar mit dem besten Granita, dem Variantenreichen Eisshake aus fein gestoßenem Eis, ich nahm das mit Limone. Im Zentrum von Messina hatten wir Glück das die Kathedrale mit der wundervoll verzierten Holzdecke geöffnet war. Es war später Mittag und dadurch fanden wir nur eine geöffnete Trattoria, leider mit nicht so gelungenen Speisen. Hatte ich doch zuvor im Oktober einen phantastischen Lunch mit dem, m.E., besten Catering von Messina. Wir trafen Freunde von Elena und es gab noch den Espresso zum unglaublich halben Preis in einer Bar (obwohl ja der Espresso in Italien nur den halben Preis im Vergleich mit Deutschland hat). Wie mag das Leben vor und nach der ruhigen Mittagszeit in der großen Stadt Messina sein ? Ja ich hörte Messina ist etwas ins Vergessen geraten, wie schade, gibt es doch auch hier, wie in Milano eine schöne Galleria, hier mit leuchtend gelben Glasfenstern im Deckengewölbe. 

Dann war unsere Zeit um und ich fuhr weiter per Bus nach Catania und hatte wieder das gleiche Hotel wie bei Ankunft. Diesmal hatte ich Pech mit dem Zimmer, wurde aber am nächsten Tag von dem sonnigen Catania entschädigt bzw. wieder moralisch erfreut. Ich hatte bis zu meinem Rückflug am Abend Zeit und lies mich durch die Straßen und Gassen treiben. Die Stadt des Schwarzgrauen Granitsteines aus vulkanischem Abbau, damit sind die alten und somit fast alle Fenster eingefasst, sowie die Sockelkanten der Häuser. Aus grauem weicheren Gestein die Fassaden, diese teils auch ursprünglich in hell, beige sind nun von den Abgasen und dem Wetter dunkler. Die oft sehr großen Holzportale setzen dazu weichere Kontraste und tagsüber 'beleuchtet' die helle, gelbliche Sonne im Kontrast. Ja abends ist es dunkler in der Stadt, insbesondere in den kleinen Gassen, dadurch hat Catania seine so eigene Atmosphäre. Wie durch Zufall war ich dann im Viertel San Michelle wo gerade die Designwoche in den Läden zu entdecken war. Nur waren noch nicht alle geöffnet, ich konnte dann ein paar kleinen Objekten moderner Keramik nicht widerstehen, dafür hatte ich noch Platz in meinem Gepäck. Keramik überhaupt ist auch ein großer handwerklicher und wirtschaftlicher Sektor auf Sizilien und man staunt erfreut über traditionelle wie moderne, lineare Designs der oft noch handgemalten Motive. Zum Abschluss fand ich die richtige Osteria in einer ruhigen Nebenstraße, deren Tische aussen auf Holzpodesten die schräge Lage ausglichen, und meine Pasta und der Fisch waren super lecker und gar nicht teuer. Dann musste ich meinen Koffer im Hotel abholen, konnte mich nochmals von den so sehr netten Hoteliers verabschieden (beim nächsten Besuch nehme ich ein anderes Zimmer und buche auch die Tour zum Ätna). Per Bus ging es zum Flughafen, ich war viel zu früh, leider, aber dann war der Abflug pünktlich und spät abends war ich in Düsseldorf, dort wo ich ab sofort meine neue Wohnung hatte. Dennoch, nach Catania, nach Sizilien, nach Italien, muss ich immer wieder reisen.©VC