Provinz Cádiz - besucht im August 2017 - Einen ganzen Monat habe ich Zeit gehabt um eine neue Region in Spanien kennen zu lernen. Ein abendliches, lichtstrahlendes Foto von der 3000-jährigen Stadt Cádiz am Atlantik hatte mich dazu inspiriert. Entdeckt habe ich die Leidenschaft Andalusischen Flairs in seinen traditionellen Wurzeln des Flamenco und offenen, gastfreundschaftlichen Menschen, heute eingebunden in touristische Möglichkeiten auf alten und historischen Fundamenten. Schmucke herrschaftliche Stadthäuser in Jerez de la Frontera und Cádiz, viele davon im Versuch die alte Pracht zu erhalten. Wunderschöne Hauseingänge mit den gekachelten Azulejos und Holztüren in Portalgrößen, wenn möglich von Pflanzen eingerahmt und mit offener Tür zur Wohnung. Maurisch geprägte weiße Häuser mit den meist flachen Dächern in den kleineren Städten entlang einer Linienzone '...de la Frontera', deren Dachterrassen den Blick auf Weite, Landschaft und je nach Lage den Atlantik ermöglichen. Von den Bewohnern genutzt um die Wäsche im Wind zu trocknen, bei den besuchenden Gästen beliebt um das Draußen sein zu genießen. In den Städten durch die zahllosen Gassen zu wandeln, überall historische Spuren und Zeugnisse der wechselvollen Geschichte in dieser Region zu entdecken, es war gut viel Zeit dafür zu haben. Römer, Mauren, Christen, sie alle haben die Städte und Dörfer geprägt, in Architektur, Gastronomie und Mentalität der Bevölkerung. Heute überwiegt das Spanisch Andalusische die atmosphärische Alltagsszenerie, eingebettet im warmen Klima des Südens, lebt man hier entspannt, genußvoll. Dies, ohne übertriebene Üppigkeit zu fordern oder darzubieten, mir hat das sehr gefallen. Die Städte Jerez und Cádiz empfand ich in den ersten Stunden, Tagen vernachlässigt, dieses Gefühl verflog indem ich nach und nach die lange Zeit ihrer Existenz erspürte.

Die meiste Zeit dieses Sommers habe ich im alten Fischerort Conil am Atlantik verbracht. Kombiniert mit einem Sprachkurs dort habe ich den schönen, schlichten, weißen Ort erkundet. Die Gassen mit wenig oder auch teils ohne Autoverkehr durchlaufen, Treppen und Treppchen hinauf und hinab, das Meer immer nah und im Blick, Spaziergänge entlang am wunderbaren langen Sandstrand mit seichtem Einstieg ins Meer täglich genießen zu können, es war wundervoll und entspannend. Dieser August war heiß, auch die Tage geprägt vom Levante, dem warmen starken Wind, warmes Meerwasser mit je nach Wetter flachen oder hohen Wellen, täglicher Sonnenschein und auch die ein zwei Tage mit leichtem Regen waren willkommen.

Ein kulturelles Highlight brachte ein Ausflug nach Bolonia, südlich von Conil am Atlantik gelegen. Das 'Baelo Claudia' dort ist eine Ausgrabungsstätte und Tempelruine mit einer kleinen Arena für das heutige Publikum integriert in ein neues Museum. Eine kleine Bühne vor dem Atlantik, am Horizont der Blick auf Afrika, bot hier ein klassisches Theaterdrama beim Festival Andalucia ein phantastisches Erlebnis. Unter dem Sternenhimmel spannten sich die Sinne um Meeresrauschen und Theaterakustik, Lautenmusik und Gesang zu verinnerlichen und einzutauchen in einen ganz besonderen Abend. 

In der Region des Flamenco fehlt dieser natürlich nicht. Bisher hatte ich seiner Musik und seinem Tanz noch nicht so sehr mein Interesse gewidmet. Nach einer ersten Liveaufführung abends draußen, von einheimischen Nachwuchstalenten am Platz neben dem Stadtturm präsentiert, hatte er mich gepackt. Mich zog es nicht in die touristischen Lokale, ich fand noch eine traditionelle Bühne im Saal einer Bar der Leute von Conil. Die Präsenz der Künstler mit Tanz, Gitarre, Gesang und dem typisch rhythmischen Handschlag und der Körper- Gesichtsausdruck, whow ich war fasziniert.  

Gereist bin ich durch die Provinz Cádiz, bis auf nach Bolonia, überwiegend mit den Bussen, die Flughafenfahrten per Bahn. Das hat sehr gut funktioniert und wiedermal mußte ich feststellen, das es auch hier weit besser organisiert ist als in Deutschland. Städte und Dörfer sind gut verbunden und Hilfe gibt es immer unterwegs. Gut dabei sind natürlich Sprachkenntnisse. Und kein Dasein ohne Speisen. So oft viel leckeren Fisch wie auf dieser Reise habe ich selten gegessen. Das Angebot in den Markthallen ist unglaublich riesig und vielfältig. Häufig habe ich mir in Conil den Fisch selber zubereitet, einfach und köstlich. Die vielen kleinen Fruteria verkaufen Obst und Gemüse, große Mengen kaufen die Spanier, mich haben die rotgrünen Tomaten und süßen Zwiebel wieder sehr erfreut. In den Restaurante, den Bars oder am Strand in den sog. dortigen 'Chiringutos' sind die Tapas oder auch halbe Rationen (eines Menues) immer lecker und frisch zubereitet. In Jerez, der Heimat des dortigen Jerez (Sherry), ist er der Weiswein zu jeder Speise, sofern man mag. Neu aber dann sehr beliebt bei mir war der Tinto de Verano, Rotwein auf Eis mit Soda. Insgesamt, es war ein schöner Sommer in der Region Cádiz.©VC